Geschäfte auf Augenhöhe | Berlin Maximal | 03.2011

Die Nachfrage nach fair gehandelten Waren wird steigen, zeigen Umfragen. Für den Einstieg gibt es mehrere Möglichkeiten.

Wer bei Gundara eine Tasche bestellt, kauft nicht einfach nur ein Produkt. Er zeigt auch ein Stück Verantwortung für die Welt und die Menschen, die dort leben. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Treptow hat, handelt mit Lederwaren, Accessoires und Einrichtungsgegenständen, die in Afghanistan produziert werden. Die Entwürfe für die Waren entstehen in Berlin, vertrieben werden die Produkte auf faire Weise über den Online-Shop www.gundara.com. Der Produzent in der Hauptstadt Kabul bekommt etwa 30 Prozent des Verkaufspreises. Lokale Zwischenhändler gibt es bei dieser Geschäftsbeziehung nicht.

Wir wollten kein Entwicklungsprojekt, wo die Produkte nur aus Mitleid gekauft werden

Gundara betreibt„fairen Handel“. Das heißt, dass die Produzenten in ärmeren Ländern die Möglichkeit bekommen, ihre Waren zu gerechten Preisen und mit möglichst wenig Verlust an Dritte weiterzuverkaufen. Das Ziel ist, verbindliche und langfristige Handelsbeziehungen einzugehen. Dadurch können die Produzenten in den Herkunftsländern ihre wirtschaftliche Situation stärken, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern und so zur Entwicklung ihrer Länder beitragen.

Der Verein Transfair kontrolliert in Deutschland die Standards für fairen Handel, die international von der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) festgelegt wurden. Produkte, die den Standards genügen, erhalten von Transfair das blau-grün-schwarze Fairtrade-Siegel. Dieses bürgt für eine umweltschonende Produktion, einen nachhaltigen und fairen Handel und soziale Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern.

„Wer fair gehandelte Produkte verkaufen möchte, kann sich in Deutschland an 150 verschiedene Hersteller oder Importeure wenden“, sagt Transfair-Sprecherin Claudia Brück. Das heißt, man muss nicht unbedingt selbst ins Herkunftsland reisen und dort Beziehungen mit dem Produzenten knüpfen. „Es gibt schon ein fertiges Netz, auf das sie zurückgreifen können.“ Rohstoffe wie Kakao, Kaffee, Zucker, Baumwolle oder Gewürze sowie die Produkte, zu denen diese Rohstoffe weiterverarbeitet werden, etwa Schokolade oder T-Shirts, sind also schon von Anfang bis Ende der Warenkette überprüft und zertifiziert worden. Somit stehen sie zum Verkauf bereit.

Eine andere Möglichkeit, in den fairen Handel einzusteigen, ist, sein eigenes Produkt im Herkunftsland herstellen zu lassen und hier zu verkaufen – so wie es auch Gundara macht. „Wir kontrollieren dann die Standards und zertifizieren das Produkt oder die Marke“, sagt Transfair-Sprecherin Brück. Darüber hinaus gibt es aber auch andere Organisationen, die sich auf die Zertifizierung bestimmter Produkte wie etwa Blumen oder Textilien spezialisiert haben. Sie legen zum Teil noch strengere Kriterien an als Transfair.

Gunda Wiegmann und ihr Partner Jean Amat Amoros kamen  während ihres Aufenthaltes in Afganistan auf die Idee, Gundara zu gründen. Sie war als Politologin für verschiedene internationale Organisationen tätig, er arbeitete dort als Geograf. Das Paar entdeckte die kleine Ledermanufaktur im Zentrum von Kabul im Frühjahr 2006. „Zuerst ließ ich dort Taschen anfertigen, die ich für mich selbst entworfen habe“, erzählt Gunda Wiegmann. Ihr Freund hatte dann die Idee, daraus ein Geschäft zu entwickeln und die Taschen in Deutschland zu verkaufen.

Dabei verfolgten sie von Anfang an den Ansatz des „fairen Handels“, der auch nachhaltig bestehen sollte. „Wir wollen kein Entwicklungsprojekt, wo die Produkte nur aus Mitleid gekauft werden und das stirbt, sobald die Finanzierung ausläuft oder wir das Land verlassen“, sagt Wiegmann. Stattdessen richteten sie das Unternehmen auf Profit aus, um es finanziell auf eigene Beine zu stellen und Anreize für beide Seiten zu schaffen, die Handelsbeziehung am Leben zu erhalten. Im August 2009 eröffneten sie ihren Webshop und verkauften im ersten Geschäftsjahr mehr als 400 Taschen. Mit dem Inhaber der Manufaktur in Kabul, Mohammad Yaqub, halten sie regelmäßig Kontakt per Mail und Telefon.

Die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten wird in Zukunft steigen, vermuten Trendforscher. Die Otto Group Trendstudie 2009 ergab, dass fair gehandelte Produkte vom Verbraucher zunehmend nachgefragt werden. 65 Prozent der Befragten gaben an, zukünftig noch stärker nach ethischen Gesichtspunkten einkaufen zu wollen.

Der Verkauf der Gundara-Taschen sichert den Arbeitern der Ledermanufaktur in Kabul bereits ein verlässliches Einkommen. In nicht allzu ferner Zukunft wollen auch Gunda Wiegmann und Jean Amat Amoros in Berlin davon leben.

Ulrike Thiele

http://www.berlin-maximal.de