Gundara - Berliner Label für fair gehandelte Ledertaschen aus Afghanistan
Zusammenfassung
Gundara sind mein Partner Jean Amat Amoros und ich (Gunda Wiegmann). Wir entwerfen Ledertaschen in Berlin, die wir in Kabul (Afghanistan) herstellen lassen und online unter www.gundara.de auf faire Weise vermarkten. Gundara ist ein soziales Unternehmen (Social Enterprise). Wir machen Profit, unterstützen jedoch mit Gundara vor allem auch wirtschaftliche Entwicklung in Afghanistan. Bei uns gehen ca. 30% des Verkaufspreises der Ledertaschen zurück an die Produzenten nach Kabul. Wichtig ist uns die Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund liegt die Verantwortung der Produktion auf afghanischer Seite. Gundara entwickelt die neuen Modelle und ist hauptsächlich für die Vermarktung der Produkte zuständig. Im Mittelpunkt stehen die Ledertaschen, vor allem aus natürlich gegerbtem Ziegenleder, deren Design eine Kombination aus afghanischer Tradition und europäischer Funktionalität ist. Außerdem haben wir auch Filzartikel, Suzani-Teppiche und genähte Artikel von Zardozi mit in unserem Programm. Wir stehen in direktem Kontakt zu den Ledertaschen-und Filzartikel-Produzenten. Durch Gundara möchten wir die Nachricht in die Welt hinaus senden, dass schöne und qualitativ gute Produkte aus Afghanistan kommen können.

Die Grundidee
Wir (Jean Amat Amoros und Gunda Wiegmann) haben die Firma Gundara im Juli 2009 gegründet. Jean ist Geograf und ich bin Politologin. Wir haben uns schon immer für Kreatives interessiert und wollten gerne aus eigener Kraft etwas auf die Beine stellen.
Wir entwerfen Ledertaschen, die wir in Kabul (Afghanistan) produzieren lassen und dann europaweit online auf faire Weise vermarkten.
Als Jean und ich im Frühjahr 2006 auf die kleine Manufaktur von Herrn Yaqub im Zentrum Kabuls stießen, war dort nicht viel los. Zunächst fing ich an, für mich selbst Taschen zu entwerfen und diese bei Herrn Yaqub zu bestellen. Im Januar 2009 hatte Jean die Idee, dass man für diese bereits existierenden Taschenmodelle einen kleinen Bestellkatalog entwerfen könnte, um die Taschen zunächst in Kabul besser zu vermarkten. Diese Idee spannen wir dann immer weiter und Jean hatte dann im Frühsommer 2009 die Idee, den Gundara-Online-Shop (www.gundara.de) zu eröffnen.
Der Name
Das Wort Gundara ist eine Eigenkreation. Es erinnert an „Guldara“ (persisch für Blumental) und an Gandhara, die buddhistisch geprägte Periode in Afghanistan und Pakistan im ersten Jahrhundert vor Christus. Es kombiniert ein persisch klingendes Wort mit meinem Namen, Gunda.
Es war klar, dass wir kein weiteres Entwicklungsprojekt im Bereich „nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung“ starten wollten, das auslaufen würde, sobald die externe Finanzierung zu Ende ginge und wir das Land verließen. Wir wollten etwas Nachhaltiges schaffen, das sich schon bald selbst finanzieren würde und in dem die Afghanen einen großen Teil der Verantwortung selber tragen würden. Somit konzipierten wir das Unternehmen von Anfang an so, dass es profitorientiert sein würde, da dass dies Anreize auf afghanischer wie auf unserer Seite schaffen würde.
Herr Yaqub wusste zunächst nicht wie ihm geschah. Wir wollten ihm nicht so viel von unserem Vorhaben verraten, da wir keine falschen Hoffnungen schüren wollten. Herr Yaqub dachte sicherlich, wir seien wieder mal so abgedrehte Europäer mit einer unrealistischen Geschäftsidee, als wir in seinen Laden traten und unser Vorhaben vorsichtig erläuterten.
Am Tag zuvor hatte er einen furchtbaren Schicksalsschlag erlitten: Seine älteste Tochter war nach kurzer Krankheit verstorben.
Nun standen wir im Laden und hatten zumindest finanziell eine Idee, wie wir der Familie Yaqub mit ihren sechs verbleibenden Kindern und ihren Mitarbeitern wieder auf die Beine helfen konnten.
Wir wollten so den Leuten vor Ort eine berufliche Perspektive bieten. Aus unserer Sicht ist dies einer der wichtigsten Beiträge zum Wiederaufbau-Prozess in Afghanistan. Wir erkannten schon bald, dass die Afghanen sehr gute Handwerker und Händler sind und dass man gerade hier ansetzen musste.
Verständnis von Nachhaltigkeit
Wir wollten ein soziales Unternehmen schaffen, dass wahrhaftig nachhaltig sein würde. Zunächst sollte Herr Yaqub durch uns seinen Umsatz steigern, aber auch die Qualität der Produkte sollte nachhaltig verbessert werden. Er musste sehr bald Eigenverantwortung übernehmen und lernen unsere Qualitätsansprüche zu akzeptieren und mit seinen Gehilfen bei der Verarbeitung von Materialien, Garnen, Verschlüssen und Futterstoffen umzusetzen.
Heute gehen im Schnitt 30% des Verkaufspreises der Ledertaschen zurück an den Produzenten nach Kabul. Mit wenigen Ausnahmen bezieht Gundara seine Produkte direkt von den afghanischen Produzenten in Kabul. So geht bei den Ledertaschen nichts durch Zwischenhändler verloren. Außerdem verwenden wir vorwiegend Ziegenleder, die in Nordafghanistan hergestellt und auf natürliche Weise gegerbt werden. Das Material kommt vorwiegend aus Afghanistan und die Wertschöpfung findet gleichermaßen dort statt.
Wir sind jetzt nur noch kurzfristig in Kabul und müssen uns ganz auf Herrn Yaqub verlassen. Er trägt somit die Gesamtverantwortung für die Herstellung und teilweise für den Versand.
Status Quo: Kulturelle Berg- und Talbahn
Natürlich war es nicht immer einfach. Zu Beginn haben wir die Taschen erst bei Herrn Yaqub bestellt, wenn uns in Berlin Bestellungen vorlagen. Wir hatten kein Lager. Dadurch hat die Lieferung manchmal sehr lange gedauert. Einmal wurde der Laden von Herrn Yaqub (gegenüber der indischen Botschaft) bei einem Selbstmordattentat in Mitleidenschaft gezogen und dadurch verzögerte sich unsere Lieferung um mehrere Monate, wofür nicht alle Kunden Verständnis hatten.
Zum Glück haben Jean und ich bereits einige Jahre in Afghanistan gearbeitet und sind mit der Kultur vertraut. Ein sehr wichtiger Türöffner war auch, dass wir beide Dari sprechen und direkt mit Herrn Yaqub und seinen Kollegen kommunizieren können.
Es ist uns gelungen, die Qualität der Ledertaschen ganz wesentlich zu steigern. Dennoch besteht hier immer noch Verbesserungsspielraum. Sowohl das Leder und auch Zubehör (wie z.B. Verschlüsse) sind nicht immer in gleicher Qualität zu haben.
Auch die Kommunikation über die Distanz musste sich erst einspielen. Wir emailen die Bestellungen in der Regel auf Englisch an den Neffen von Herrn Yaqub und besprechen diese dann telefonisch auf Dari mit Herrn Yaqub nach. Der Lernprozess auf beiden Seiten läuft weiter und wir sind damit beschäftigt, Herrn Yaqub und seinen Kollegen klar zu machen, wie wichtig eine gleich bleibende Qualität für uns ist.
Im ersten Jahr haben wir fast 400 Taschen verkauft. Der Verkauf läuft vor allem über den Online-Shop. Die Website wurde von Jean gestaltet und immer weiter optimiert.
Darüber hinaus verkaufen wir in sechs Geschäften Berlins und veranstalten regelmäßig offene Häuser, zu denen wir interessierte Kunden zu uns nach Hause einladen. Senden Sie einfach eine Mail und wir laden Sie gerne ein.
Die Taschen wurden mit der afghanischen Post, DHL oder Bakhtar von Kabul nach Berlin oder direkt an Kunden im Ausland versandt. Hierbei gab es immer mal wieder Schwierigkeiten, die wir ad hoc lösen mussten.
Als Jean und Herr Yaqub einmal eine Taschenlieferung zur afghanischen Post brachten, wurde ihnen gesagt, dass alle Taschennähte aufgemacht werden müssten, um die Taschen nach Drogen zu durchsuchen. Den beiden wurde bald klar, dass hier ein „Bakschisch“ gefordert wurde und wir verstanden, dass wir die Versandfirma wechseln mussten.
Gundara hat im ersten Jahr bereits nach Dänemark, die USA, Mazedonien, Luxemburg, Schweden, Frankreich, Österreich und in die Schweiz geliefert. Unsere Kundschaft ist eine Mischung aus Menschen, denen einfach die Taschen gefallen, anderen die das Konzept gut finden und wieder anderen die einen besonderen Bezug zu der Region haben. Unsere Kunden kommen aus allen Altersgruppen.
Das Gundara-Produkt und der Beitrag zur Nachhaltigkeit
Das Hauptprodukt von Gundara sind Ledertaschen aus natürlich gegerbtem Ziegenleder. Im ersten Jahr konnten bereits 80 verschiedene Taschenmodelle entwickelt werden. Gundara möchte das facettenreiche kulturelle afghanische Erbe bestehend aus paschtunischen, tadschikischen, kirgisischen, Hasara etc. Einflüssen bewahren, bzw. in moderner Form neu aufleben lassen. Gundara verwendet feine handgemachte Stickereien und bunte traditionelle Chopan-Stoffe in Kombination mit qualitativ hochwertigen naturfarbenen Ziegenledern, um diese schönen Taschen zu fertigen.
Die Aufgabenverteilung ist so festgelegt: Herr Yaqub ist für Beschaffung der Materialien und Herstellung der Taschen und den Versand nach Deutschland zuständig. Den Versand nach Europa und weltweit erledigen wir von Berlin aus.
Wir sind für die Website, die Bestellungen und die Buchführung verantwortlich.
Ziel ist es das Konzept von Gundara und die schönen Ledertaschen in Europa und auch Afghanistan noch besser zu vermarkten und den Umsatz weiter zu steigern. Auch wird die Produktpalette immer weiter ausgebaut und Gundara hat nun auch sehr schöne Filzprodukte und hochwertige afghanische Susani-Teppiche im Angebot. Uns ist klar geworden, dass die Produktionskapazität unseres einzigen Ledertaschen-Produzenten begrenzt ist. Wir sind deshalb auf der Suche nach neuen Produzenten in Afghanistan.
Hätte man uns vor einem Jahr danach gefragt, was unsere Vision sei und wo wir in einem Jahr stehen würden, hätten wir sicher nicht gedacht, dass wir bereits jetzt fast 600 Lederartikel verkauft haben würden. Das gibt uns neue Energie, um Gundara weiter auszubauen.
Wenn Sie Gundara live erleben möchten, laden wir Sie gerne zu unserem regelmäßigen "Offenen Haus" in Berlin-Treptow ein, senden Sie einfach eine Mail.




